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  • AutorenbildManuel Klinnert

Auf Tasche: Taschenkarte mit nützlichen Schemata für Führungskräfte

Egal ob Befehlsausgabe, Lagevortrag oder Lagebesprechung. Man kann nicht immer alles aus dem Stegreif parat haben. Genau deshalb haben die HiOrg-Götter auch Taschenkarten erschaffen. Ich hoffe, dass ich Euch in diesem Beitrag eine nicht allzu überfrachtete Variante mit auf den Weg geben kann, die Euch hilft, einige auf diesem Blog vorgestellten Kommunikationsformen zu gliedern. Außerdem möchte ich ein paar allgemeine Takte zum Thema Taschenkarten verlieren.

 

Das Prinzip Taschenkarte

Ich bin zunächst immer skeptisch, wenn ich eine neue Taschenkarte in die Hand gedrückt bekomme. Zwar gibt es eine Vielzahl toll gestalteter und inhaltlich durchdachter Ausführungen, in denen sehr viel Arbeit steckt. Egal ob zweiseitige Kunststoffkarte, Broschüre zum ausklappen oder ganze Ringbindung, im Einsatz habe ich selten von einer Taschenkarte Gebrauch gemacht, die ich nicht selbst erstellt habe. Der Grund ist das Prinzip, wie Taschenkarten funktionieren: sie sind keine Lehrbücher oder Lexika. Sie dienen als Gedächtnisstütze für Wissen, das bereits erlernt wurde, aber selten gebraucht wird und zu umfänglich ist, um es stets auswendig zu können. Das können Tabellen mit medizinischen, logistischen oder physikalischen Richtwerten sein, Standardeinsatzregeln für seltene Einsatzlagen, eine Liste mit Funkrufnamen oder einfach das Buchstabieralphabet. Das Problem ist, dass jede Einsatzkraft auf einen anderen Wissensschatz zurückgreift. Die meisten Führungskräfte werden das Buchstabieralphabet nicht ablesen müssen, viele werden die Befehlsausgabe auch ohne Hilfestellung hinbekommen und manche haben sogar die Nennwerte für den Sandsackverbau im Kopf.

Daher kann eine Taschenkarte ihren Nutzen am besten entfalten, wenn sie

  • selbst erstellt wird,

  • für eine konkrete Lage erstellt wird oder

  • als eine Checkliste funktioniert.


Selbst erstellte Taschenkarten

Wenn wir im Rahmen der Wasserrettung Tauchübungen durchführen, die keine Einsatzübungen sind, brechen wir in der Regel nicht das Material aus dem Gerätewagen an. In diesem Fall stellt sich jeder Taucher seinen eigenen Satz zusammen, mit dem er dann ins Wasser geht. Tauchgänge bei uns laufen nun aber nicht ab wie ein Urlaubstauchgang. Nutzt man Trockentauchanzüge, Vollgesichtsmasken, Leuchtmittel und so weiter, kommt einiges an zusätzlicher notwendiger Ausstattung zusammen. Vergisst man den Inflatorschlauch für den Anzug, den Lungenautomaten für die Vollmaske, zusätzliches Blei oder die Ersatztauchmaske, steht ein Tauchgang in der Schwebe. Ich bin ein eher vergesslicher Mensch. Nachdem ich zweimal nicht Tauchen konnte, weil etwas gefehlt hat, musste ich einen Weg finden solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Das Ergebnis war eine einfache Taschenkarte mit allem, was man für einen Tauchgang mit Vollgesichtsmaske braucht. Für die meisten wäre diese Art des Spickers wohl überflüssig, mir hat sie schon das ein oder andere Mal viel Ärger gespart.


Taschenkarten für konkrete Lagen

Hier kommt mir eine Katastrophenschutzübung des Bezirksverbandes in den Sinn. Da wir ein recht großes Team in der Übungsleitung waren und hauptsächlich über Digitalfunk kommuniziert haben, hatte wir uns eine extra Funkrufnamenregelung überlegt. Zusammen mit einem Funkeisatzplan, einer Tabelle mit dem zeitlichen Ablauf und kleinen Skizzen der Einsatzorte hatte jedes Teammitglied die wichtigsten Informationen im Flyerformat schnell zugriffsbereit. Diese Kategorie kann auch auf lang andauernde Großschadenlagen übertragen werden, wenn beispielsweise die Verteilung der Funkgruppen, wichtige Ansprechpartner oder Standardeinsatzregeln in der Breite zur Verfügung stehen sollen.


Taschenkarten mit Checklist-Charakter

Piloten moderner Flugmuster haben ganze Ordner mit Checklisten für alle erdenklichen Situationen und Notlagen im Cockpit griffbereit. Geraten sie in solche Situationen, ist stets eine der ersten Maßnahmen der Griffe zu diesem Ordner. Alle enthaltenen Checklisten haben in der Regel gemein, dass sie auf eine Seite passen, groß und leicht lesbar geschrieben sind und auch selbstverständliche Schritte enthalten (zum Beispiel: "FLY THE AIRPLANE!"). Meine Tauchausrüstungs-Taschenkarte ist eine solche Checkliste, aber auch die im Anschluss vorgestellte Taschenkarte zu einsatzrelevanten Schemata kann als solche verstanden werden. Sie stellen sicher, dass besonders in brenzligen Situationen bei komplexen Vorgängen nichts übersehen wird. Auch einer erfahrenen Zugführerin kann es passieren, dass sie vergisst, den eigenen Auftrag bei einer Befehlsausgabe zu nennen. Vergisst ein Einsatzleiter bei einer Vermisstensuche die Schadenlage anzusprechen, weil er sie auf der Anfahrt schon etliche Male am Funk gehört hat, kann beim Einsatzbefehl untergehen, in welchem Bereich sich die verunglückte Person denn mittlerweile schon befinden kann. Geht man bei der Befehlsausgabe stattdessen mittels Taschenkarte eine vorgefertigte Gliederung durch, wird dieses Problem nahezu gebannt.

Wenn Euch das Thema Checklisten näher interessiert, möchte ich Euch das "Checklist Manifesto" von Atul Gawande wärmstens empfehlen (ISBN: 1846683149; Dt. Übersetzung: 3442744741)



Taschenkarte für nützliche Schemata im Einsatz

Zuletzt stelle ich Euch wie versprochen eine Taschenkarte als Zusammenfassung der letzten Beiträge zur Verfügung. In den Beiträgen habe ich verschiedene Schemata vorgestellt, wie Befehle, Vorträge und Besprechungen gegliedert werden können. Lest Euch meine Gedanken dazu durch, bevor Ihr die Taschenkarte ausdruckt und benutzt:



Zusätzlich für den LvE:


Bevor Ihr die Taschenkarte im scharfen Einsatz zückt, solltet Ihr zusätzlich einmal geübt haben, die Schemata anzuwenden. Wie gesagt: Taschenkarten sind keine Lehrbücher, sondern Gedächtnisstützen für bereits vorhandenes Wissen. Wenn Ihr bereits in anderen Schemata geübt seid, dann schreckt nicht davor zurück, meine Vorlage als Anregung für eine eigene Version einer Taschenkarte zu nutzen. Sie muss nicht grafisch aufwändig gestaltet sein, sie soll die wichtigsten Punkte, auf die IHR im Einsatz zugreifen müsst, enthalten. Große Schrift, leicht zu lesen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Entwürfe per Mail mit mir teilen würdet.


Die Taschenkarte ausdrucken


Unter folgendem Link könnt Ihr die Vorlage als PDF herunterladen:



Die Vorlage ist für DIN-A3 Papier ausgelegt, sodass ein Bogen zwei Taschenkarten ergibt. Diese werden dann gefaltet und können im A6-Format in jeder Brust- oder Beintasche mitgeführt werden. Achtet darauf, die Vorlage beidseitig an der kurzen Kante gespiegelt zu drucken.

Ein kleiner Pro-Tip für die Taschenkartenfetischisten: wenn Ihr die Karte auf sogenanntes Neobond-Papier druckt, ist sie reiß- und wasserfest, ohne sie laminieren zu müssen. Die alten Führerscheine und Ausweise waren ebenfalls aus diesem Material gefertigt.


Ich hoffe, ich die Taschenkarte bewährt sich auch bei Euch im Einsatz oder dient zumindest als Anregung, eine eigene Version zu erstellen.

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